In der Nähe von Gorleben im Wendland in Niedersachsen befindet sich
das Beluga-Dreieck. Auf GoogleMaps ist es als Sehenswürdigkeit und
als Museum gekennzeichnet. Und tatsächlich: hier steht ein ungewöhnliches
Mahnmal. Ein Schiff mitten in einem Waldgebiet. Aber was hat
es damit auf sich?
Zuerst fragt man sich natürlich, wie da ein Schiff in den Wald kommt, wo
doch gar kein Wasser in der Nähe ist. Doch ein kleiner Rundgang auf dem
Gelände schafft schnell Erhellung. Das Schiff namens Beluga ist ein
Aktionsschiff der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Der Name Beluga
stammt übrigens vom Weißwal ab, welcher so Beluga genannt wird. Greenpeace
hat derzeit noch ein weiteres Schiff mit dem Namen Beluga II im
Dienst.
Die Beluga wurde 1960 in Dienst gestellt und später von 1985 bis 2004 von
Greenpeace als Laborschiff eingesetzt. In der Irischen See beim britischen
Nuklearkomplex Sellafield nahm das Schiff Proben, mithilfe derer
nachgewiesen werden konnte, dass die Nordsee mit Nukliden belastet ist. Ein
Nuklid ist eine Sorte von Atomen - weitere Infos dazu auf
Wikipedia. Dieser Nachweis stellte für Greenpeace einen großen Erfolg in der Arbeit
der Organisation dar und das Laborschiff Beluga wurde zum Symbol der
Anti-Atombewegung.
Im Jahr 2013 wurde das Schiff dann in der Nähe des Salzstockes von Gorleben und dem Atommüll-Zwischenlager aufgestellt. Es soll mahnen! Denn bis 2011 fanden immer wieder
Castor-Transporte nach Gorleben statt, um atomaren Müll im Salzstock zu
lagern. Seit 2015 wird der Ort, wo dieses Schiff nun in einem Waldstück an
einer Straßenkreuzung steht, als Beluga-Dreieck bezeichnet. Selbst
ein Ortseingangsschild gibt es für dieses Areal. Namensgeber sind
Aktivisten der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.
Der Salzstock Gorleben wurde seit 1986 als Bergwerk errichtet, um zu
erkunden, ob hier ein Endlager für radioaktive Abfälle entstehen kann. bis
zum Jahre 2020 stand Gorleben als Endlager zur Debatte. Viele Jahre also, in
denen sich zunehmend Widerstand in und um Gorleben formierte. Im Juni 2022
dann wurde Plan des Endlagers verworfen und die Verfüllung der
Schachtanlagen beauftragt. Aber der Widerstand ist auch heute noch zu sehen
- fast jedes Haus in der Umgebung von Gorleben ziert ein
gelbes X und auch am Beluga-Dreieck scheint noch nicht Schicht im
Schacht zu sein.
Das gelbe X ist gerade im Wendland zum Symbol für den Widerstand geworden. Aber warum ausgerechnet ein X? Die Erklärung ist recht einfach. Der erste Tag eines Atommüll-Transport-Termins wurde als Tag X bezeichnet.
Neben dem Schiff findet sich auch eine Hütte, Infotafeln und
Sitzgelegenheiten am Beluga-Dreieck. Die Location ähnelt einem Camp. Und da
hat es eigentlich auch seinen Ursprung. 1980 nämlich wurde die Republik
Freies Wendland ausgerufen und bestand einen Monat lang als Hüttendorf auf
einer Waldlichtung, wo eine Tiefbohrstelle geplant war. 2010 wurde am
Beluga-Dreieck die Schutzhütte in Erinnerung an das 30 Jahre zuvor
bestehende Hüttendorf errichtet.
Schmunzeln musste ich, als ich bei meiner Recherche las, dass dort wo
damals das Hüttendorf bei Gorleben stand, 37 Jahre später archäologische
Untersuchungen stattfanden. Man fand dabei um die 450 Gegenstände, welche
der Zeit um 1980 zugeordnet werden konnten. Es gibt tatsächlich ein Projekt
zeitgeschichtlicher Archäologie zur Alltagskultur des späten 20.
Jahrhunderts. Also spätestens wenn man sowas liest, weiß man, dass die
eigene Alterung fortschreitet.
Neben Schiff und Hütte gibt es am Beluga-Dreieck reichlich Informationen.
Ein sehr interessanter Zeitstrahl direkt hinter dem Schiff
veranschaulicht die Aktionen des Widerstandes und ist wirklich
betrachtenswert. Auf dem Gelände, wo die Hütte steht, gibt es Infotafeln,
welche den Protest veranschaulichen und in der Hütte selbst kann man sich
auch noch zum Thema Atommüll und den diversen Lagerorten informieren.
Auch wenn das Thema mit dem Endlager für Gorleben vom Tisch zu sein
scheint, der Widerstand scheint in der Region tief verankert. So im letzten
Zipfel der BRD umgeben von der ehemaligen DDR wollte man vergraben, was
niemand auch nur in seiner Nähe haben will.
Und wenn man das Beluga-Dreieck heute besucht, bringt man schon etwas
Bewunderung für diese Art des Widerstandes der alten Schule auf. Früher, als
man Klebstoff noch zum Anfertigen von Plakaten verwendete, da waren noch Ideen,
Wissen, Zusammenhalt und Einfallsreichtum der Treibstoff des Gelingens einer
organisierten Widerstandsbewegung. Auch heute noch ist immer mal was los am
Beluga-Dreieck. Informiert Euch zu Veranstaltungen und Aktionen gern auf der
Website der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (LINK unten).
Noch heute hat man ja das Brennelemente-Zwischenlager (BGZ
Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH) vor der Tür, wo seit 1995 ausgediente
Brennelemente aus Kernkraftwerken aufbewahrt werden. Seit 2011 wurde hier
aber kein neuer Müll abgeliefert, wo der 13. Transport wegen der Proteste
über Tage dauerte, gab es keine weiteren großen Atommülltransporte nach
Gorleben. Dennoch ist der Atom-Müll, der vor Ort ist, noch eine ganze Weile
da - denn er erzeugt wohl immer noch Wärme und muss noch abkühlen, bevor er
einem Endlager zugeführt werden kann... wo auch immer dieses dann sein
wird.
Bewegte Bilder mit einer Zusammenfassung gibt es hier im Video:
Standort Beluga-Dreieck:
GoogleMaps
BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg:
LINK
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